Gesundheit, Städtebau, Landwirtschaft: Klimaschutz ist Querschnittsaufgabe

Am 4. Juli nahmen die grünen Kreisrätinnen Claudia Schmiedeberg (Hirschberg) und Ulla Schmollinger (Ladenburg) am Klimaschutztalk des Rhein-Neckar-Kreises teil, der von der Geschäftsstelle Klimaschutz hervorragend organisiert wurde. Die Veranstaltung brachte vor allem Kreistagsmitglieder zusammen, aber auch andere zivilgesellschaftliche Akteure wie Vertreter der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) waren anwesend. Im Mittelpunkt des Tages stand das Thema Klimaanpassung.

Die Veranstaltung begann mit einem Impulsvortrag zum klimaangepassten Waldumbau. Es wurde verdeutlicht, dass der Wald gerade in der Ebene unter erheblichem Stress steht und insbesondere die Kiefern den Temperaturanstieg der letzten Jahre nicht verkraften. Der Holzeinschlag beschränke sich nur noch auf die Entnahme toter und absterbender Bäume. Auch die Bestände der resistenteren Buche weisen inzwischen an trockenen Standorten deutliche Schäden auf. Entsprechend werden die bisher heimischen Buchenwälder in Zukunft in der Rhein-Neckar-Region nicht mehr vorkommen. Stattdessen werden neben einigen lokalen Baumarten wie Elsbeere und Feldahorn vorwiegend werden jedoch Bäume die Landschaft prägen, die resistenter gegen Hitze und Trockenheit sind, wie Flaum- und Zerreichen. 

In Diskussionsgruppen wurden drei Themengebiete vertieft: Gesundheit, Landwirtschaft und Städtebau. Am Thementisch Gesundheit lag der Fokus auf Hitzeschutz und wurde von zwei Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamts betreut. Zwar geht Hitze alle Menschen an, doch sind vor allem Menschen höheren Alters und mit gesundheitlichen Problemen, Kinder und Arbeiter bzw. Arbeiterinnen im Freien, z.B. Erntehelfer, Bauarbeiter oder auch die Mitarbeiter der Bauhöfe, betroffen. Diskutiert wurde hier unter anderem die Verantwortung von Arbeitgebern und Betreuungsinstitutionen. So müssen beispielsweise Arbeiter im Freien vor übermäßiger Hitze geschützt und der Schulalltag entsprechend angepasst werden. Für die Gemeinden ist vor allem der städtebauliche Hitzeschutz eine wichtige Aufgabe.

Mögliche Maßnahmen dazu wurden am Thementisch Städtebau diskutiert. Die Mitarbeiter der Stadt Heidelberg, die diesen Tisch moderierten, stellten das Vorgehen in Heidelberg dar: Hitzeschutzmaßnahmen werden hier systematisch für das gesamte Stadtgebiet ausgelotet, besonders heiße Orte identifiziert und durch punktuelle Maßnahmen abgekühlt. Begrünungsmaßnahmen beispielsweise können die Temperatur in einem Straßenzug um bis zu fünf Grad senken. In der Diskussion ergab sich, dass gerade in kleinen Gemeinden dem Bestand wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird und der Schwerpunkt der Aktivitäten auf Baugebieten liegt. Dabei können gezielte Maßnahmen für die Menschen vor Ort im Sommer deutliche Verbesserungen bewirken. 

Immer wichtiger wird auch der Starkregenschutz. Hier sind die Gemeinden in der Pflicht, öffentliche Bereiche zu entsiegeln; zudem sollten Grundstückseigentümer für Entsiegelung gewonnen werden. Parkplätze stellen ein Problem dar, da sie viel Platz beanspruchen, oft versiegelt sind und im Sommer keinen Schatten bieten. In Zukunft sollte auch eine Überbauung zur Nutzung als Wohnfläche mitgedacht werden.

Am Thementisch Landwirtschaft wurde der steigende Wasserbedarf aufgrund des Klimawandels thematisiert. Gleichzeitig, so ging es aus der Diskussion hervor, gibt es eine unzureichende Kontrolle über den tatsächlichen Wasserverbrauch. Landwirte haben derzeit keinen Anreiz, in teure wassersparende Technologien zu investieren, da das Wasser kostenlos bereitgestellt wird. In anderen Regionen, wie beispielsweise Stuttgart, ist das anders. Wichtig wäre es, die EU-Gelder nicht nach Fläche zu verteilen, sondern zu honorieren, wenn Landwirte naturnah und nachhaltig wirtschaften, da hier auch die Menschen vor Ort profitieren.

Die Geschäftsstelle Klimaschutz dankte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die wertvollen Beiträge; sie werde die Ergebnisse auswerten und in ihre Arbeit aufnehmen. Auch die Teilnehmer*innen konnten aus den Diskussionen und Vorträgen wichtige Anstöße für ihre politische Arbeit mitnehmen. 

Wir danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle Klimaschutz für die gelungene Organisation der Veranstaltung. 

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