Die Grüne Kreistagsfraktion Rhein-Neckar informiert sich am KIT in Karlsruhe über Energietechnologien
Wind und Sonne alleine werden für die Energiewende nicht ausreichen – eine ganz zentrale zusätzliche Zutat sind hier Speichertechnologien, mit denen die Erträge der tendenziell unsteten Erneuerbaren Energien in Zeiten starker Erzeugung beiseitegelegt werden können, um in Zeiten mit schwacher Erzeugung den Bedarf zu decken. Speichertechnologien standen daher im Mittelpunkt der Exkursion der grünen Kreisrätinnen und Kreisräte aus dem Rhein-Neckar-Kreis ans KIT am 23. September.
Früher Öl – heute erneuerbare Wärme
Nicht weit vom Eingang des KIT-Geländes ragt ein großer Bohrturm in die Höhe, wo Geowissenschaftlerin Judith Bremer die Besuchergruppe in Empfang nimmt. Nach dem Anlegen von Helm und Sicherheitsschuhen dürfen wir näher an die Anlage, mit der derzeit im Projekt DeepStor ein Bohrloch in ca. 1400m Tiefe getrieben wird, um zu untersuchen, wie gut sich die dortigen Gesteinsschichten für die Speicherung von Wärme aus dem Sommer in den kalten Winter eignen können. Rund um die Uhr wird dort mit Sondergenehmigungen gearbeitet. Ein Speicher dieser Art wird voraussichtlich ca. 85% der eingelagerten Wärme bei Bedarf wieder zur Verfügung stellen. Da sich das umliegende Gestein über die Zeit im Betrieb tendenziell erwärmt, steigt der Wirkungsgrad nach Inbetriebnahme einige Zeit noch an. Für den späteren Betrieb in größerem Maßstab kämen auch frühere Ölbohrlöcher in Frage, von denen es im Rheingraben einige gibt, an denen vor Jahrzehnten in der Tat Erdöl gefördert wurde. „Das, finde ich, ist doch ein schönes Symbol für die Energiewende, wenn an derselben Stelle wo früher fossile Brennstoffe gefördert wurden, heute erneuerbare Wärme eingelagert wird“, so die Expertin Judith Bremer.
Weiter geht es ins Reich von Benedict Wagner, der mit seinem Projekt an der Beschleunigung der Untersuchung von neuen Rezepturen und Herstellungsverfahren von Batterien forscht. Welche Substanzen für Anode, Sperrschicht und Kathode verwendet werden, wie rasch und in welcher Dichte diese aufgetragen werden, all das ist Gegenstand intensiver Forschung, um für künftige Batterietypen die optimale Kombination von gewünschten Eigenschaften zu ermöglichen. Eine von ihm und seinen Studierenden gebaute Maschine erlaubt es, größere Anzahlen an Kombinationen rasch und mit minimalem Materialverbrauch zu untersuchen. Stolz verweist er in einer benachbarten Halle auf „den größten Forschungskalander“ Deutschlands. Wieder ein neues Wort gelernt: Ein Kalander ist ein Gerät, das quasi wie eine Wäschemangel den mit den entsprechenden Chemikalien beschichteten Träger auf die gewünschte Dicke von oft nur einigen Dutzend mircometern auswalzt und damit ein wichtiges Gerät in der Batterieforschung ist.

Batterie ist nicht gleich Batterie
Den Abschluss macht Felix Schofer, der die Gruppe an einer ganz anderen Ecke des weitläufigen Geländes mit ins Projekt „energy Lab“ nimmt, in dem in kleinem Maßstab das Verhalten von Netzen unter unterschiedlichen Bedingungen untersucht wird: Wie wirkt sich dieser neue Transformatortyp auf die Stabilität des Netzes aus, was ist in jener Konstellation aus Last und Erzeugung zu erwarten? Unter kontrollierten Bedingungen lassen sich hier Experimente fahren, die im Betrieb draußen für größere Störungen sorgen würden. „Hier rumst es gelegentlich durchaus mal, aber das ist dann durchaus gewollt und geplant.“, so Schofer. Routiniert doziert er über die Unterschiede verschiedener Batterietypen: Flow-Batterien z.B. so lernen wir, zeichnen sich durch größere Langlebigkeit und längere Speicherdauer sowie geringere Brandgefahr aus, sind dafür aber schwerer und teurer. Weitere Container in der Nachbarschaft beherbergen andere Batteriekonzepte wie Natrium-Ionen-Batterien, „und da hinten steht auch noch ein Superkondensator“.
Spannende Arbeiten, die dort am KIT stattfinden und die den Besucherinnen und Besuchern verdeutlichen, dass die Energiewende noch viel Raum für Erfindergeist lässt und diesen sogar erfordert, damit der Abschied von den nicht mehr gewünschten fossilen Energien rasch gelingen kann. Forschung aus dem Ländle ist da ganz vorne mit dabei und wahrscheinlich muss man sich um die Karrierechancen der jungen Leute, die dort an diesen wichtigen Themen forschen, keine Sorgen machen. Sie werden gebraucht.
Stefan Geißler
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